Der Sleeper Train nach Colombo / Offline

IMG_1063Ich verbringe gerade meinen letzten Tag in Sri Lanka. Mit der geplanten Unterkunft in Colombo hatte es nicht geklappt, ich bin in ein Backpacker Hotel ausgewichen. Günstig – 15 Euro die Nacht – und seitdem ich Flip-Flops notfalls auch beim Duschen anlasse und mein Vorrat an Sagrotan noch nicht zur Neige gegangen ist, bin ich schon sehr froh, dass ich für den Preis ein sauberes Ungeziefer-freies Bett, heisses Wasser und eine Klimaanlage habe, und mache mir über herunterfallenden Putz, hässliche Spuren, die fliessendes Wassser die Wände herab hinterlässt, und kleinere Ameisenstrassen im Bad keine Gedanken mehr. Ausserdem habe ich noch keine Kakerlake gesichtet (so wie andere Gäste berichten). Und für meinen letzten Nachmittag habe ich mir vorgenommen, mich noch einmal als Hotelgast in einem mir bekannten Luxus-Hotel mit Pool auszugeben, drückt mir die Daumen, dass es klappt.

Nach Tuk-Tuk, Auto, öffentlichem Bus und 3. Klasse Zugfahrt stand noch ein Fortbewegungsmittel aus – der Sleeper Train – Schlafwagen – nach Colombo. Ich hatte beschlossen, zum Abschluss Geld springen zu lassen, und für umgerechnet 8 Euro eine Fahrt 1. Klasse von Trincomalee nach Colombo gebucht.
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Alleine der Kauf der Bahnkarte war sehr Sri Lankanisch – erst ein, dann zwei Bahnangestellte sahen sich ernst das handgeführte Buchungs-Buch an, konferierten immer wieder miteinander, wobei sie mich hin und wieder ernst anschauten, und fuhren mit den Fingern die Kolonne der Einträge für den gewünschten Tag hinauf und hinunter. Schliesslich rückte einer der Angestellten mit dem Problem heraus – es gab für den Tag nur noch Tickets für ein oberes Bett – würde Miss das schaffen, war das zuzumuten? Miss nickte, sie wäre noch beweglich genug, in das obere Bett zu gelangen, danke der Nachfrage. Nach diesem positiven Bescheid fingen beide an, diverse Einträge zu machen und Dinge zu beschriften. In der Zwischenzeit drückte mich ein älterer Mann von rechts sanft aber bestimmt vom Fenster weg, während ein Polizist von links dagegenhielt – ich fühlte mich etwas in die Zange genommen, fuhr meine Ellbogen aus, und tat mein Bestes, beide wegzudrücken und trotzdem mein Zugticket zu bezahlen.

Übrigens war ich die meiste Zeit komplett alleine im 1. Klasse Schlafwagen – irgendwann kam noch ein Polizist in einem anderen Schlafabteil hinzu, das wars. Also konnte mich gut ausbreiten und musste keine Kletterkünste durchführen. Ich hätte sogar jede halbe Stunde das Bett wechseln können, wenn mir danach gewesen wäre. Es ist ein ungeklärtes Mysterium, was mit den anderen Passagieren passiert ist.
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1. Klasse ist eine Frage der Definition oder des Standards – aber ich hatte immerhin ein Bett und ein (gewöhnungsbedürftiges) Klo, und konnte auf der knapp 300 Kilometer langen, 9-stündigen Fahrt sogar etwas schlafen. Zwischendurch macht der Zug 1 oder 2 längere Aufenthalte, damit die Zuggäste sich etwas zu Essen und Trinken besorgen können. Meine Mahlzeit bestand aus einer mit Kartoffeln gefüllten Teigtasche und einem Teig-Halbmond mit Zimtfüllung, beides liebevoll in Zeitungspapier gewickelt, und beides köstlich.

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Insgesamt war es eine recht normale Reise. Ich war weit und breit die einzige (offensichtliche) Ausländer(in) und sorgte dementsprechend für Aufsehen, kann aber den Schlafwagen als Reisemittel durchaus empfehlen, insbesondere zu dem Preis. Eine Fahrt in der 2. Klasse (breite Sitze) kostet ungefähr die Hälfte, 3. Klasse ein Viertel der 1. Klasse.

Ich fliege Dienstag um 2 Uhr nachts zurück nach Yangon, und werde voraussichtlich für einige Wochen kein Internet haben – daher keine Sorgen machen, wenn erst mal kein Update mehr kommt. Ich werde versuchen, ein Internet Café zu finden, um wenigstens ein paar Erfahrungen mit einer Horde von 2-5 jährigen Kindern zu schildern. Am 22. März soll es weitergehen nach Kathmandu. Ich wünsche allen eine gute Zeit, oder wie man hier sagt: God Bless You.
Kerzen2

2 responses to “Der Sleeper Train nach Colombo / Offline

  1. Liebe Gudrun,
    die Waggons kommmen mir irgendwie bekannt vor. Kann es sein, dass die DB als Entwicklungshilfe ausrangierte Schlafwagen weitergegeben hat. Waggons m.E. ähnlich Autoreisezug. Gute Zeit in Myanmar, Liebe Grüße Dagmar

  2. Pingback: Die Kunst der Teeherstellung | Explore. Dream. Discover·

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