Eine Busreise in Sri Lanka

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Mittwoch führte mich mein Weg von Anuradhapura in der Mitte Sri Lankas nach Trincomalée an der Ostküste. Während meine Freunde (vielleicht sollte ich sie nicht mehr Freunde nennen, nachdem sie mich durch Mihintale laufen liessen mit Toilettenpapier im Gesicht) (wie das Toilettenpapier dahin kam ist eine andere Geschichte) wie auch immer, während sie ihre Reise komfortabel im klimatisierten Wagen mit Fahrer fortsetzten (um sich nach zwei Tagen wieder mit mir zu treffen), wählte ich als Reisemöglichkeit den öffentlichen Bus.
IMG_1004IMG_0975 Ich kann nur den Rough Guide zitieren: „Busreisen in Sri Lanka sind fast immer ungemütlich sowie meist nervenzerfetzend, in Anbetracht des forschen Fahrstils einiger Fahrer. Die durchschnittliche Busreise in Sri Lanka ist eine Stopp-Start Angelegenheit: Magenumdrehende Anfälle von Geschwindigkeit wechseln sich ab mit schleichenden Abschnitten, alles untermalt mit Hupkonzerten, schallender Singhalesischer Popmusik und den entsetzlichen Geräuschen der protestierenden Mechanik, wenn der langmütige Bus mit ratternden Paneelen um die nächste Kurve schlittert – bevor das unvermeidliche Bremsmanöver alle in den Sitzen nach vorne schleudert. Die Rücksitze sind die besten Sitzplätze, sowohl weil es normalerweise unter den Sitzen genug Platz für das Gepäck gibt, und weil man von hinten nicht sehen kann, was für ein Wahnsinnsmanöver der Fahrer gerade wieder versucht.“

So bestieg ich todesmutig den Bus in A., und teilte die Rückbank mit einem netten australischen Ehepaar – welche hinzufügten, dass die Rücksitze auch gut dafür sind, sehr benötigten Fahrtwind von der offenen hinteren Tür zu ergattern, vorausgesetzt man hat eine hohe Staubtoleranz – sowie im Laufe der Reise einer Reihe von Menschen aus Sri Lanka, welche glücklich darüber waren, Touristen mal nicht aus einem Privatwagen starren zu sehen, sondern in ihrer Mitte sitzend und ihr Leben für ein paar Momente teilend.

Hier ein Video meiner Abreise, von meinen Freunden gefilmt – man sieht es am besten im Full Screen Modus:

Die 100 Kilometer Busreise kosten nur 180 Rupee – umgerechnet ca. 1 Euro (zum Vergleich: Ein Tuk-Tuk kostet das gleiche für ca. 2 Kilometer). Während dies extrem billig ist, erklärt es vielleicht auch den traurigen Zustand, in dem sich die Busse befinden. _6002603

Zu Beginn war die Reise wie oben beschrieben – und während man vielleicht die Wahnsinnstaten des Fahrers vom Rücksitz nicht sehen kann, so kann man durchaus die Wahnsinns-Geschwindigkeit fühlen und den Bus zur Seite lehnen sehen, wenn er in die Kurve geht oder mit wildem Hupen an anderen Autos vorbeiprescht (diese Busse sind brutal, da hilft nur ausweichen). Es ist angsteinflössend und fühlt sich original an wie auf der Achterbahn, und ich stellte ernsthaft meine kürzlichen Entscheidungen im Leben in Frage, während ich mich festklammerte.
Dann wurde der Bus langsamer – glücklicherweise oder auch nicht ist der Hauptteil der Strasse nach Trincomalée noch im Bau, und so „fuhren“ wir die nächsten drei Stunden über eine Schotterstrecke, und nahmen dabei jede Bodenwelle und jedes Schlagloch mit. Und hier kann ich zur Rough Guide Empfehlung hinzufügen: Sitze NICHT auf der Rückbank, wenn Du über eine Strasse im Bau fährst – man hüpft und springt wie verrückt auf dieser Rückbank herum. Ich schwöre, dass mein Hintern einmal einen halben Meter abhob und wieder auf die harte Bank zurückkrachte – die Sri Lanker fanden unsere Aufschreie sehr belustigend. Ich sah einen einzigen Warnhinweis für Schlaglöcher und konnte die nächsten 100 Hüpfer nicht mehr aufhören zu lachen.

Und – nehmt NICHT die Rückbank wenn es regnet – zusammen mit dem Fahrtwind hatten wir auch eine kalte Dusche und unser schön unter den Sitzen geparktes Gepäck wurde klatschnass.

Rain protection on the bus

Rain protection on the bus

Nach 4 Stunden sind wir nach Trinco hineingehinkt – staubig, müde, dreckig, und mit leichtem Schleudertrauma – und ich habe meine Freunde im klimatisierten Auto kein bisschen beneidet, sondern war froh, dass ich diese verrückte Reise gemacht habe.

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5 responses to “Eine Busreise in Sri Lanka

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