Disney World in Machu Picchu

Es musste passieren – am letzten Tag in Bolivien aß ich das Falsche, und die Rache der Inkas (oder Copacabanas, nachdem ich es als vom Tourismus korrumpierte Stadt bezeichnete) erwischte mich. Leider konnte ich nicht länger in Bolivien und enger Nähe zu einer Toilette bleiben, sondern musste per Bus nach Peru aufbrechen, diverse Zugfahrten und die Erlaubnis für Machu Picchu waren gebucht und konnten nicht geändert werden, und es war alles ziemlich teuer gewesen. Also stopfte ich mich voll mit Medikamenten, biss die Zähne und kniff die Pobacken zusammen, und hoffte aufs Beste. Alles ging auch irgendwie gut, ich kam schwächelnd aber erleichtert in Puno an, wo ich den Andean Explorer nach Cuzco bestieg, angeblich eine der Top Zugfahrten der Welt. Ich muss sagen, ein schöner Zug, mit feinem Essen auf feinem Geschirr mit feinem Silberbesteck serviert, während draussen die peruanischen Anden an uns vorbeizogen und die Peruaner uns fröhlich zuwinkten. Und das Wichtigste: Mit einer wundervollen Toilette.

KEIN Selfie, sondern Hintergrundmaterial. Langsam bin ich meine gelbe Jacke wirklich leid.

KEIN Selfie, sondern Hintergrundmaterial. Langsam bin ich meine gelbe Jacke wirklich leid.

Auch die lokale Bevölkerung darf mitreisen - gegen Unterhaltung, natürlich

Auch die lokale Bevölkerung darf mitreisen – gegen Unterhaltung, natürlich

Ich konnte mir die lokale Bevölkerung nicht in diesem Zug vorstellen (ausser als lokales Entertainment, natürlich) – sie würden glaube ich durch die feinen Accessoires ziemlich belustigt. Mir kam es vor, als rolle hier eine Welt durch eine komplett andere, mit wenig Berührungspunkten. Aber auf jeden Fall eine lohnende Fahrt, sollte euch euer Weg nach Puno führen.
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Ich hatte lange gezögert, nach Machu Picchu zu kommen, wo die Tickets auf 2500 am Tag limitiert sind – offensichtlich ein Ort der stillen Kontemplation und Einkehr. Am Ende dachte ich ans Taj Mahal, von dem ich erwartet hatte, dass es voller Klischees sein würde, und stattdessen einen Ort vorfand, an dem tatsächlich noch Magie vorhanden ist. Also buchte ich, entschied mich aber dagegen, heroisch in 4 Tagen hinaufzujapsen, sondern nahm einen weiteren Zug und am nächsten Tag einen Bus bis hinauf zur Spitze.

_MG_9460Und, war es die Mühe und das Geld wert? Nun ja, wenn man Touristennepp, extrem hohe Preise, Horden von Menschen, lange Schlangen, und insbesondere Selfie-machende Touris mag, dann – Ja, absolut! Wenn die wahren Inkas dies sehen könnten – ich weiss nicht, wen sie zuerst auf ihrem riesigen Opferstein schlachten würden, die Touristen oder eher jene, die als Nachfahren auf billigste (im übertragenen Sinne!) Weise ihr Erbe verhökern. Es half vielleicht nicht, dass es an dem Tag bedeckt und regnerisch war und für Photos ein grässliches Licht herrschte, obwohl die Wolken eine gewisse Dramatik gaben. Die Lage der Inkastadt ist spektakulär, das ist überhaupt keine Frage. Aber trotzdem – ich war nicht beeindruckt, für mich funktionierte die Magie nicht. Ich wünschte, ich hätte einen Bruchteil dessen, was das Ganze gekostet hat, in ein Video und einen guten Bildband über Machu Picchu investiert und hätte ansonsten die Zeit anders verbracht, zum Beispiel in Bolivien, das mir wirklich gut gefallen hat. Aber das ist mein eigenes und persönliches Empfinden, natürlich.
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Ein schöner Moment in MP: Als Dank für Kauf von Wasser und Regenumhang erhielt ich ein Liedchen auf der Harfe

Ein schöner Moment in MP: Als Dank für Kauf von Wasser und Regenumhang erhielt ich ein Liedchen auf der Harfe

Und noch ein Wort zu Selfie-machenden Touristen. Mein persönliches Pech – ich war in den letzten Monaten an so vielen Touristenorten, dass ich langsam einen Hass entwickelt habe auf alle, die mit einem dämlichen Stock durch die Welt laufen, damit sie Selfies von sich machen können. Warum bloss? Warum?? Ich hatte eines von diesen Exemplaren auf meiner Uyuni-Tour, und sie rannte nur von einem Aussichtspunkt zum nächsten, um ihr grinsendes Gesicht in die Kamera zu halten, Schönheit der Landschaft irgendwo zweitrangig. Wen können denn bloss Hunderte von Photos interessieren, die immer wieder dasselbe Gesicht zeigen? Ich machte den Fehler zu erwähnen, dass ich kürzlich auf der Osterinsel war, und bekam prompt ihr iphone vor die Augen gehalten, darin ca. 100 Bilder von der Osterinsel, mindestens 70 davon mit ihrem grinsenden Gesicht, und irgendwo im Hintergrund konnte man gerade noch die Statuen erahnen. Grausam. Ein paar Selfies als Beweis, dass man ein Weltbürger ist – da hat man ja nichts dagegen, aber dieser Auswuchs – Narzissmus bereitet sich aus in unserer Welt, und ich überlege ernsthaft, Leuten ihren Selfie-Stock zu entreissen und dahin zu rammen, wo die Sonne nicht scheint. Aber das ist auch nur mein eigenes und persönliches Empfinden, natürlich.

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