Weitere Geschichten von der Osterinsel

Tongariki PanoramaDie Geschichte von Rapa Nui habe ich bereits erzählt. Hier noch ein paar lose geschilderte Eindrücke:

Die suchenden Leute kamen ursprünglich wohl aus Polynesien, das genaue Datum der Erstbesiedlung ist unbekannt – Schätzungen variieren zwischen 300 und 1200 AD. Rapa Nui ist die Spitze eines ca. 3000 Meter hohen Gebirges und entstand durch drei Vulkanausbrüche – der erste links, der zweite rechts, der dritte schloss die Lücke in der Mitte, wodurch die Insel eine schöne Dreiecksform hat, Ausmasse: 24km x 16km x 12km. IMG_3344Der Krater Rano Kau des ersten Ausbruchs ist sensationell.
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Die Wolkenbildung kann ebenfalls sensationell sein – eines Abends fotografierte ich gerade mal wieder Statuen vor Sonnenuntergang, als ich mich umdrehte, und dieses sah:
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Rapa Nui ist übrigens zum Untergang verurteilt: Jedes Jahr rückt die Insel 9 cm näher an das südamerikanische Festland heran, und wird eines Tages unter der Kontinentalplatte verschwinden. Bei 9 cm pro Jahr und 3800 Kilometern dauert das aber noch 42 Millionen Jahre, wenn ich mich nicht verrechnet habe, daher keine Panik, man kann sich mit dem Besuch noch ein wenig Zeit lassen.

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Der Magnetismus der Insel ist durchaus wörtlich zu nehmen: Es gibt auf der Insel einen Stein (auch „Nabel der Welt“ genannt), der einen so starken Magnetismus haben muss, dass der Kompass versagt und komplett die Orientierung verliert. Kompass

Nicht nur das: Wenn man in dieser Gegend einen Hügel herunterfährt, anhält und den Wagen ungebremst im Leerlauf lässt, dann fängt er an, von alleine rückwärts wieder den Hügel hochzufahren und wird dabei immer schneller – es ist ein wenig unheimlich, und widerspricht eigentlich allen physikalischen Gesetzen, aber ich habe es selber ausprobiert, es funktioniert.

Es gibt sehr viele freilaufende Pferde auf der Insel, was das Autofahren insbesondere im Dunkeln spannend macht. Ein Highlight ist, wenn die Pferde in den Garten einbrechen, laut das Grass mampfen, und sich auch von den herbeieilenden kläffenden und springenden Hunden nicht schrecken lassen. Erst wenn der Besitzer auf dem Motorrad herbeibraust, ebenfalls durch den Garten, und die Pferde wieder einsammelt, lassen sie sich bequemen, vom saftigen Gras abzulassen und wieder auf die Weide (= ganze Insel) zu galoppieren.IMG_3467

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Meine “Cabana” in der Nähe von Hanga Roa, mit grossem Garten und Meerblick

Der Höhepunkt des Rapa Nui Jahres: Tapati – wird auch „Karneval“ genannt. Hat aber sehr wenig gemein mit dem deutschen Karneval, oder überhaupt mit irgendeinem Karneval, der mir bekannt wäre. Eigentlich ist es zwei Wochen Wettbewerb, auch um am Ende den König und die Königin zu krönen (letztere fällt ja diesmal aus), aber eigentlich kann wohl jeder Rapa Nui mitmachen. Dafür wird gesungen, getanzt, geschwommen, geritten, auf Bananenblättern einen Vulkan heruntergerutscht (leider war ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Santiago), Tierhäute plattgeschlagen und bemalt, kleine Moai geschnitzt… Ich hatte von den Bildern her erwartet, dass dabei das ganze Volk in kleinen befederten Lendenschürzen (Männer) und kleinen befederten Bikinis (Frauen) herumläuft, aber dem ist nicht so – eigentlich tragen nur die beiden Königs-Anwärter die traditionelle Tracht (die sind dann aber wirklich nicht schlecht anzuschauen!).

Nachdem ich mir einen dieser Wettbewerbe angeschaut und dabei in der schwülen, brütenden Hitze darauf wartete, dass sich irgendwann mal irgendwas tat bevor ich einen Hitzschlag erlitt, habe ich im Laufe der weiteren Tage doch lieber Moais fotografiert. Abends finden die Gesangs- und Tanzwettbewerbe statt, unter anderem auch Tango, eine Vorstellung, die meine argentinische Hüttennachbarin mit Worten kommentierte, die man hier nicht wiedergeben kann – im Fazit war sie wenig beeindruckt. Die beiden Königsanwärter sowie ihre Unterstützer erhalten nach jeder Vorstellung Punkte von einer unabhängigen Jury – ohne natürlich Experte in diesen Dingen zu sein, würde ich das Wort „unabhängig“ ein wenig bezweifeln, nachdem ich mir das mal einen Abend anschaute… Mir fiel auf, dass ich Folklore auch zu Hause wenig anschaue, warum bloss hat man immer diesen Zwang, im Ausland überall dabei sein und alles ganz toll finden zu müssen? Insgesamt kam es mir jedenfalls mehr als Touri-Veranstaltung vor, als ich erwartet hatte.


Ich habe auch einem bewegenden Gottesdienst beigewohnt – im 19. Jahrhundert wurden die Rapa Nui missioniert (es brauchte nur 4 Jahre, allerdings waren damals nach Krieg und Sklaverei die Widerstandskräfte auch sehr gering), haben sich aber ihre Gesänge beibehalten – das Ganze hatte etwas von Gospelsongs, mit Gitarre und Akkordeon untermalt – sehr schön, und der polynesische Einfluss ist nicht zu verleugnen._MG_6204-Edit

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Der “Wilde Taufzeuge” hält übrigens ein Ruder in der Hand…

 

Aber am Ende sind es wirklich die Moai, die den Zauber der Insel ausmachen – ich konnte davon nicht genug bekommen und habe mich einfach in diese Steinmänner verliebt. Der Anblick so vieler gefallener, zerbrochener, von Wind und Wetter zerstörter Statuen löst echten Herzschmerz aus – mit so viel Liebe und Anstrengung angefertigt, so sehr verehrt, um dann würdelos vom Sockel gestürzt und liegengelassen zu werden – kein faires Schicksal. In diesem Fall kann ich wirklich nur sagen: Es lebe der Tourismus – denn heute wurden einige Statuen wenigstens wieder aufgerichtet, und sie werden wieder bestaunt und auch ein kleines bisschen verehrt – jedenfalls von mir._MG_6800

2 responses to “Weitere Geschichten von der Osterinsel

  1. Hallo, Deine Erzählung dieser Insel und ihrer Bewohner wie immer
    äusserst interessant, man möchte einfach stehenden Fusses in ein
    Flugzeug steigen und dorthin reisen. M,,

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