Das Uber Ding

Uber_logotype.svgIch mag Reise-Tage nicht. Eigentlich ein Witz, denn ich habe sehr viele davon, Reisen ist der Grund, warum ich lebe wie ich lebe, aber es bleibt so: Ich mag sie nicht. Ich habe immer noch viel zu viel Gepäck, anstatt weniger wird es immer mehr. Ich hasse das Schleppen und Wuchten an diesen Tagen, ich ärgere mich über mich selber, weil ich so viel Gepäck habe, ich fürchte die Wege zum Flughafen, die meist mit sehr viel mehr Schleppen und Wuchten und nervigen Diskussionen mit Taxifahrern verbunden sind, es sind die Tage, in denen ich merke, dass ich alleine unterwegs bin (heul), ich hasse die Diskussionen mit den Fluggesellschaften über mein Gepäck (mittlerweile zahle ich liebe für 10 Kilo zuviel als noch einmal eine Diskussion über 500 Gramm zu haben), das Warten am Gate, das Drängen ins Flugzeug. Reisetage sind meine Schlechte-Laune Tage. Wie gesagt, eigentlich ein Witz.

Sydney – Tag des Abflugs nach Ballina im Norden. Ich sitze mit all meinem Gepäck in einem Café, noch ein letzter grüner Smoothie bevor es zum Flughafen geht. Ich debattiere intern immer noch mit mir, ob ich Bus und Zug nehme, dabei ist die Schlacht längst entschieden – neben mir liegen zusammen mit Handgepäck 40 Kilo an Gepäck. Ich frage den Kellner, wieviel wohl ein Taxi kostet, er schlägt vor, ich solle doch Uber nehmen. Uber – aha. Habe ich noch nie ausprobiert, ist momentan in Deutschland in aller Munde, wurde gerade irgendwo verboten – mhmmm. Kein schlechter Gedanke. Ich öffne den App-Store auf meinem iphone und lade die Uber App hinunter, innerhalb von 5 Minuten bin ich registriert und es kann losgehen. Ich bin neugierig – ich bin nicht gerade Avantgarde in diesem Moment, aber endlich mache ich auch mal was, worüber jeder spricht – ein Uber Taxi nehmen und offenbar den normalen Taxifahrern den Garaus machen (da ich auch Taxifahrer hasse – sorry, eigentlich liebe ich euch, aber zu viele nervige Erfahrungen in den letzten Monaten – fühle ich mich nicht allzu schlecht, selbst nicht, als mehrere neben mir anhalten und fragen, ob sie mich und mein Gepäck befördern dürfen). Ich bestelle mein erstes Uber-Taxi.

Natürlich ist es mein Glück – es ist einer dieser Tage – dass ich einen jungen Bangladeschi erwische, der gerade seinen Führerschein gemacht hat und noch nie am Flughafen war. Erst findet er mich nicht. Dann sitze ich hilflos neben ihm, während er langsam – sehr langsam – durch die Strassen von Sydney rollt, und ganz klar keine Ahnung hat, wo es hingehen soll. Als er vor jeder grünen Ampel extra verlangsamt, drehen meine Nerven langsam durch, ich bin kurz davor, ihm Lenkrad und Gaspedal zu entreissen und einmal zu zeigen, wie Deutsche Auto fahren (kein Tempolimit, hombre!). Ich halte mich zurück, kann aber mein ungeduldiges Fuß-Tappen und Fingertrommeln auf meinem iphone (welches als Navi dient, damit wir überhaupt mal irgendwann ankommen) nicht verhindern. Als er zum zweiten Mal irgendwo herumirrt, weil er sich trotz Navi wieder verfahren hat, gesteht er mir im gebrochenen Englisch und nervösem Lächeln, dass das alles neu für ihn ist, er gerade erst angefangen hat, und noch nie in dieser Gegend war. Ich habe einen dieser Tage, und murmele ein „WIRKLICH??? Hätte ich ja nie gemerkt!!“. Er irrt weiter, und entschuldigt sich wieder, und wieder. Ich schaue ihn an, wie er gerade aufgerichtet und völlig verkrampft mit nervösem Lächeln am Lenkrad sitzt, und langsam schmilzt mein kleines, schwarzes Herz – der arme Kerl, er baut sich hier gerade ein neues Leben auf, er gibt sein Bestes, alles ist neu und aufregend für ihn, und dann sitze ich neben ihm, an einem Reise-Tag!

Als wir endlich am Flughafen ankommen, tätschele ich ihn schon längst beschwichtigend, bestätige, dass es ja alles nicht so schlimm ist, jeder hat mal angefangen, ich verfahre mich in Sydney ja auch ständig, ist so schwierig in dieser Stadt… Durch das langsame Verfahren kostet die Fahrt 43 Dollar, und ich überlege insgeheim, wieviel mehr mich wohl ein normales Taxi gekostet hätte… wahrscheinlich nicht viel mehr… aber: Ich habe etwas getan, um den Unternehmergeist eines jungen Mannes mit Migrationshintergrund zu verbessern, kann doch nur gut sein, oder?

4 responses to “Das Uber Ding

  1. DasmitdenReisetagenkannichsehrgutverstehenLiegtmirauchgarnichtAberohneReisetagekommtmanleidernirgendwohinUndinsofernheisstdasMottoAugenzuunddurch

    • Ich habe seitdem einen Mietwagen gehabt und geniesse es, Sachen einfach nur ins Auto zu schmeissen und nur die Dinge rauszuziehen, die ich gerade brauche – langsam erhole ich mich 🙂

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