Flucht aus Ubud

Disclaimer: Die in diesem Artikel ausgedrückte Meinung ist persönlich und soll keine endgültige Wahrheit darstellen, andere Menschen dürfen gerne abweichender Meinung sein.
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Bali ist eine wirklich schöne Urlaubsinsel, gesegnet mit gutem Wetter, schönen Stränden mit tollen Tauch- und Schnorchel-Korallenriffen, traumhafter Landschaft mit Vulkanen und Reisfeldern. Das hat wohl vor einigen Jahren eine gewisse Schriftstellerin angezogen, die ein gewisses Buch schrieb, welches in der Verfilmung mit Julia Roberts zu dem Riesenhit „Eat Pray Love“ wurde. Der „Love“ Teil findet statt in Ubud – eine eigentlich kleine Stadt, ca. 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Denpasar, und insbesondere durch den Film seitdem das Mekka der Julia Roberts / Yoga / Mediations / Zukunftsvorhersage / Sucher des Sinn des Lebens- Fans. Ich hatte über Ubud gelesen, insbesondere wie touristisch es sei, und es daher von Anfang an ausgeschlossen von meinen Planungen. Nun gut, auch ich kann mal falsch liegen, und als ich viele Leute traf, die allesamt Ubud toll fanden, beschloss ich spontan, meine Pläne zu ändern, länger in Indonesien zu bleiben, und Ubud eine Chance zu geben. Eine Reisebekanntschaft von mir wollte Ubud auch kennenlernen und traf sich dort mit mir.
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DSC02613IMG_2265Ubud also. Nun, was soll ich sagen? Vor einem Jahr, bevor ich beschloss, auf Reise zu gehen, bevor ich tatsächlich auf Reisen ging, bevor ich seit mittlerweile fast 8 Monaten in mehr oder weniger un-touristischen Gegenden herumziehe und oft das lokale Leben wahrnehme – damals hätte ich vielleicht Ubud auch noch toll gefunden. Geschäfte, Geschäfte, Geschäfte, und wenn man denkt, das muss es doch gewesen sein, gibt es tatsächlich noch mehr Geschäfte. Und alle 100% auf die vielen vielen vielen Westler ausgerichtet – Geschäfte für Yogakleidung und Meditation, Geschäfte mit Silberschmuck und Gebetsperlen, Geschäfte mit aller Art von Kleidung, Schuhen, Schals, Geschenken. Und dazwischen Restaurants, die alles zum mindestens dreifachen normalen Preis anbieten – was der Westler billig findet, fällt nur dem Menschen, der seit Monaten in mehr authentischen Settings unterwegs ist, als völlig überteuert auf.

Frage: Werden die Küken so bunt geboren, oder später eingefärbt?

Frage: Werden die Küken so bunt geboren, oder später eingefärbt?

Es ist Disneyland, ein klimatisiertes Fantasyland für den wohlmeinenden Westler, welches ihn garantiert nicht fordert, zu weit seine Komfortzone zu verlassen, obwohl man doch zig-tausende von Kilometern vom heimischen Komfort entfernt ist. Das einzige Problem (für mich) – es hat ja so überhaupt nichts mit Indonesien oder Bali zu tun.
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Viele kommen nach Ubud, um „den Sinn des Lebens“ zu diskutieren und zu finden. Nennt mich zynisch – es haben glaube ich noch nicht so viele den Sinn des Lebens bei gepflegter Unterhaltung in klimatisierten Räumen und beim Schlürfen eines überteuerten Chai Latte gefunden – in meiner (zugegebenermassen unmassgeblichen, dafür immer mehr durch meine Erlebnisse gefestigten) Meinung findet sich dieser eher, wenn man auf der Strasse, in authentischen Umständen, mit ihm konfrontiert wird, z.B. in einem der vielen Projekte, die Indonesien bietet, und die sich um die Menschen und Tiere kümmern, die Probleme haben.
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Vielleicht bin ich einfach ein grummeliger ex-Shopper. Genauso, wie ich vom starken Raucher zum genauso starken Anti-Raucher geworden bin („Du willst rauchen? Geh auf den Balkon. Und mach die Tür hinter Dir zu! Es regnet? Pech.“), bin ich vielleicht von der Shopping-Abhängigen zur Anti-Shopperin geworden (einige Freunde von mir werden Schwierigkeiten haben, das zu glauben). Aber das ist es glaube ich nicht. Ich habe einfach mittlerweile ein Problem damit, in einer völlig unauthentischen, künstlichen Make-Believe-Welt zu leben, die nichts mehr übriglässt von dem, was war, und wo alle Preise drastisch erhöht werden – der Tourist, so sagte man mir, ist hier „die weisse Kokosnuss“ – heisst wohl: Die zahlen sowieso alles.
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Ich höre jetzt meine Tirade gegen Ubud auf – nützt ja eh nix, ist eigentlich auch völlig unwichtig, und es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Urlaubsorte schnell ihren wahren Charakter verlieren – sonst wären sie wahrscheinlich nicht lange beliebte Urlaubsorte. Und wahrscheinlich geht es ja den Einheimischen durch den Tourismus besser als vorher. Ich bin einfach keine Zivilisation mehr gewohnt, der Kulturschock war zu gross, ich habe jetzt ein Trauma.
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Wenigstens ist die Umgebung von Ubud – wie überhaupt Bali und Indonesien – wirklich sehr schön – obwohl sie langsam zurückgedrängt werden, gibt es immer noch Reisfelder und authentische Dörfer, und als wir uns einen Motorroller liehen und durch die Gegend fuhren, da fühlte ich mich schon wieder besser. DSC02532

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Aber Ubud würde nie mein Freund, meine Bekannte, auch eine Weltreisende, floh zurück auf ihre Insel, und statt des Sinn des Lebens suchte ich auf einmal mit Sehnsucht eine Gelegenheit zum Schnorcheln, also brach ich meinen Aufenthalt in Ubud ab, fuhr an die Küste, und geniesse jetzt das Meer bei Amed. IMG_2302
Liebe Menschen, die ich in Ubud (sic!) kennenlernte, besuchten mich dort, und wir fanden die wahre Glückseligkeit – die Mütter aller Infinitypools – ein Traum auf vier Ebenen, und ganz für uns allein, denn das dazugehörige Hotel wird noch gebaut, aber aus irgendeinem Grund wurde der Pool schon gefüllt – der Himmel!
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(Übrigens habe ich tatsächlich vergessen, ein einziges Bild von Ubud zu machen, so gross war mein Schock, daher kann ich nur mit schönen Bildern der Umgebung dienen).

PS: Spart euch den Besuch bei dem durch den o.g. Film berühmt gewordenen Wahrsager – mir wurde berichtet, dass er mittlerweile sehr alt ist, ständig über der Hand einschläft, und in seinen wenigen wachen Momenten immer dasselbe sagt. Dafür nimmt er aber gut Geld ein 🙂

PPS: Morgen verlasse ich nach 8 Monaten Südostasien erst einmal, es geht nach Australien, ich freue mich, und hoffe, dass ich mit dem weiteren Kulturschock klarkomme. Danach mache ich eine Kehrtwende, fliege nach Indien und versuche mich mal in einem Ashram – ich und Ashram – wer hätte das jemals gedacht!

5 responses to “Flucht aus Ubud

  1. Und ich fahre gleich durch das verregnet Wien zu GMA und kümmere mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben 🙂

  2. Guten Morgen Gudrun, gut, dass wir den Bericht gelesen haben. Wir haben Ubud storniert und fliegen Freitag nach Griechenland. Komm gut nach Australien.

  3. Pingback: Grosses Land Rapa Nui – der Nabel der Welt | Explore. Dream. Discover·

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