Om Shanti Om

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Indien – Land der Milliarde+ Menschen, der 300 Millionen+ Götter, und der Heiligen Kuh. Land grossen Reichtums und unvorstellbarer Armut. Land der Farben – leuchtende Saris, kunstvoll gewebte Pashminas, duftende Gewürze. Land der Kasten, des Patriarchats, der Yogis und Ashrams. Begründer vieler Religionen, und Heimat eines der Sieben Weltwunders.

Ich hatte Indien ursprünglich nicht auf meinem Plan – in Indien günstig zu reisen ist “hard-core”, heisst, die Auseinandersetzung mit Menschenmassen, denkwürdigen Transportmöglichkeiten und kulturellen Unterschieden ist schon eine kleine Herausforderung, nicht davon zu sprechen, dass Indien in den letzten beiden Jahren nicht nur gute Schlagzeilen machte, was Frauen anging.Als aber als eine Freundin mich fragte, ob ich Lust hätte, 3 Wochen in einem Ashram zu verbringen, sagte ich spontan Ja – ich war neugierig auf das Ashram-Leben, und es war ein guter Zeitpunkt für eine Periode der Kontemplation, des Yoga und insbesondere der (fast) veganen Diät (Australien hat da einiges zu verantworten!).

Zum ersten Mal in Indien – ich hatte ehrlich gesagt ein paar Bedenken – man sagt, in Indien trifft man sich selber, und was DAS heisst, hatte ich ja zur Genüge kennengelernt in meinem Jahr bisher. Ich brauchte dann auch drei Tage, um mental den Übergang von West nach Ost, von den ruhigen, zivilisierten Strassen Australiens in das heisse, staubige Chaos Indiens zu schaffen.  IMG 2883

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Ein paar Tage in Jodhpur, in dem malerischen Staat Rajasthan, entschädigten – Jodhpur heisst auch die blaue Stadt, in der früher die Brahmanen, die höchste Kaste, und nur diese, das Recht hatte, ihre Häuser blau anzumalen, was sie mit Begeisterung taten (warum blau? Die Antworten rangierten von Lord Shivas Hautfarbe über moskitoabweisend zu kühlend im Sommer). In Jodhpur gibt es insbesondere sehr fein Gewebtes zu kaufen , und ausserdem einen Wahrsager der aus der Hand liest – er sagte mir Gesundheit, ein langes Leben, ausreichend materiellen Wohlstand, und sogar noch die eine oder andere Liebe voraus – was will man mehr.

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Jodhpur, die blaue Stadt

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Mein Schicksal in seiner Hand

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Der Pfau – das Tier Indiens

Zurück nach Delhi, wo ich alte und geschätzte Kollegen von Nucleus traf – welche mir alle Neuigkeiten bezüglich CSR4856 gaben (muss man nicht verstehen).

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Mittlerweile war auch meine Freundin Kim angekommen, und lud zu ihrem Geburtstag in ein sehr feines Restaurant ein, mit 15 Gängen, und einem neuem Wein zu jedem Gang – die Zugfahrt früh am nächsten Morgen zu unserem Ashram Nähe Rishikesh ist ein wenig nebulös in meiner Rückschau, aber irgendwie schafften wir es dorthin, für 3 Wochen Detox (eigentlich für Meditation, Yoga und spirituellen Frieden, natürlich).

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Aurovalley Ashram, Rishidwar

Meine erste Ashram Erfahrung – eine (gemütliche) Betonzelle mit eiserner Gefängnistür, 6 Uhr morgens Morgenmeditation, 7 Uhr Yoga, 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr Karmayoga (= Gemeinschaftsdienst), 10 Uhr Gesangsyoga, 11.30 Uhr Gruppensitzung (Satsang) mit unserem Swami Ji (lokaler Guru), 13 Uhr Mittagessen, 15.30 Uhr Tee, 16.30 Uhr Yoga, 18 Uhr Abendmeditation, 19 Uhr Abendessen, 20 Uhr Kulturprogramm. Harte Arbeit, welche aber dem Wohlergehen der Seele und des Körpers dienen soll. Dazu ein Essen bestehend aus Reis, Chapati, Linsen, Kartoffeln, Kohlartigem, und Gurken – Frühstück, Mittag- und Abendessen – und manchmal ein wenig Joghurt oder Porige und Frucht. Nicht aufregend, aber es füllt den Magen.

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Aurovalley Ashram – “The Mother” und Sri Aurobindo

Fühlte ich mich nach drei Wochen körperlich und seelisch erneuert? Nun, ich gestehe. Das volle Programm zog ich vielleicht 1-Mal durch, nach einer Woche hatte ich auch die Morgenmeditation an den Nagel gehängt, nach 2 Wochen so ziemlich alles ausser Yoga und Gesangsyoga. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Essen, Lesen, Schlafen, Dösen, und – wenn ich mich dazu aufraffen konnte – auch mal tiefergehendem Denken über mein Leben.

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Mein gewöhnlicher Aufenthaltsort – die Terrasse vor der Zelle

Damit enttäusche ich vielleicht viele Ashram-Anhänger, und ich stelle mir auch selber die Frage, ob ich hier eine Chance ausgelassen haben, weiter auf meinem spirituellen Pfad vorzurücken. Ich sehe den Nutzen eines Ashram – eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit, vielleicht der Selbstfindung, inmitten einer sicheren, friedvollen Umgebung und gleichgesinnter Menschen. Eine Möglichkeit insbesondere für gestresste Menschen, zu entspannen und loszulassen, körperliche und geistige Erholung zu finden und spirituellen Frieden einzuatmen. Eine Gelegenheit, die Gespräche mit Swami Ji dazu zu nutzen, neue Perspektiven und Gedankenanstösse zu finden.

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Swami Ji und die Welt

Swami Ji und wie er die Welt sah… Ein riesiges Afrika, Nordeuropa scheint leider zu fehlen

Und eine Gelegenheit, Gutes für Körper und Geist zu tun. Zumindest das nutzte ich aus, ich bin wohl ab dem 7. Halswirbel etwas verdreht und fing an, Dinge geradezurücken, und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich ausserdem mit gestreckten Beinen meine Füsse berühren (wenn auch mit ein wenig robuster Nachhilfe…).

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Noch ein bisschen… Du kannst es…!

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Angeblich die entspannteste Haltung, die es gibt… und soll verjüngend wirken!

Die Heilige Gudrun

Die Heilige Gudrun

Als ich darüber nachdachte, warum ich die Angebote der Meditation und des Satsang nicht mehr nutzte, fiel mir auf, dass ich ein Luxus-Problem habe: Ich habe gerade kein Problem. Ich bin nicht gestresst, sondern mehrheitlich entspannt; spirituell fühle ich keinen Bedarf nach einem Guru, sondern bin glücklich mit dem spirituellen Anfangspfad, den ich für mich selber gefunden habe; ich bin soweit ich weiss gesund, mache das, was ich machen möchte, bereise die Welt, lerne interessante Menschen kennen,  lerne jeden Tag meines Lebens etwas Neues – es geht mir einfach gut. Bevor ihr anfangt, mich zu hassen: Mir ist bewusst, dass ich das Schicksal geradezu herausfordere mit dem Gesagten, allerdings weiss ich auch, dass nichts im Leben permanent ist, das nächste Problem (Gelegenheit, Herausforderung) wird schon kommen , daher bin ich einfach dankbar für diesen Moment in meinem Leben. Und fühle momentan keinen Bedarf nach intensiver Spiritualität, sondern nutzte die Zeit mehr dazu, das bisher Gelernte zu reflektieren und ausserdem viel darüber nachzudenken, was ich eigentlich in der Zukunft machen möchte mit meinem Leben.

Mein Leben, fiel mir ausserdem während des Nachdenkens auf, gleicht einer Woche voller Sonntage, so sehr, dass ich manchmal einen wirklichen Sonntag vermisse, so wie jemand, der in ständiger Sonne lebt, den Regen vermisst nach einer Weile.

IMG_3019Zum Schluss noch eine Erkenntnis: Eine der Grundweisheiten des Ashrams – das Leben braucht Ordnung und Organisation. Es mag Gründe geben, der Ordnung nicht zu folgen, aber diese drei Gründe zählen niemals zu den guten Gründen: Faulheit, Trägheit oder negative Einstellung.
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Ich finde, dass dies ein sehr ehrsames Prinzip ist, und nehme mir vor, in Zukunft mein Nichtstun darauf zu überprüfen, ob ich gerade mal wieder faul bin (sehr wahrscheinlich), oder träge (dito), oder einfach negativ eingestellt (hoffentlich nicht). Dies, sowie eine zum ersten Mal entdeckte und dank des neuen Prinzips hoffentlich bleibende Zuneigung zu Yoga, nehme ich aus dem Ashram mit, und das ist doch schon sehr viel (Danke, Nathalie von Sesame-Yoga!).

Und was nehme ich aus Indien mit (abgesehen von einer Anzahl schöner Schals und einem kleinen Ganesh)? Das, was die Schlagzeilen nicht schreiben: Die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft, das wundervolle Lächeln so vieler Inder, welches zusammen mit den Farben Indiens und dem Wissensdurst über die wechselhafte Geschichte und schiere Vielfalt von interessanten Gebräuchen, Traditionen und Religionen den Wunsch ausgelöst haben, in Zukunft mehr von diesem Land zu sehen.

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Hübsche Götter, schöne Männer…

Jetzt geht es erst einmal weiter nach Santiago de Chile – ein Monat Super-Intensiv-Spanisch-Unterricht inklusive Leben bei einer chilenischen Familie – hasta luego, amigos!

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Es fiel eine grosse indische Gruppe in den Ashram ein

Opfer für Ganga

Opfer für Ganga

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Die Liebe eines Vaters für seine Tochter

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Ein Bad im Ganges

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Warten auf das Bad im Ganges

Unter dem Bündel von Holz steckte ein junges Mädchen

Unter dem Bündel von Holz steckte ein junges Mädchen

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Hübsch zurecht gemacht verkauft es sich besser

2 responses to “Om Shanti Om

  1. Hallo Gudrun,das sieht extrem entspannend aus,das führen wir gleich mal im Büro als neue Pflichthaltung ein,wenn wir am 4856 verzweifeln.
    LG Jürgen und Aliki

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