Eine haarige Angelegenheit – die Initiationszeremonie Shinbyu

IMG_0943-2Nachdem ich fünf Tage lang meinen Wirkungskreis auf Strandliege, Balkonsessel, Restaurantstuhl und Bett beschränkt habe, geht es mit mir langsam wieder aufwärts – ich brauchte das dringend (anbei ein Bild meines neuen Arbeitsplatzes). Ein kleiner Gekko hat sich verirrt und ist in mein Zimmer eingezogen – alle Versuche, ihn wieder nach draussen zu dirigieren, waren zwecklos. Sollen ja recht friedliche Tierchen sein (ausser man ist eine Fliege, ein Moskito oder eine Spinne), und er hält mir selbige vom Hals.

Eines der grössten Privilegien für mich war das zufällige Erleben einer Initiations-Zeremonie für kleine Mönche – auch Novizen genannt.

Jeder burmesische Junge ist für eine gewisse Zeit ein Novize und lebt im Kloster, oft nur für wenige Tage oder Wochen. Dies ist eine Sache von grosser Ehre sowohl für den Jungen als auch die Eltern. Die dazugehörige Zeremonie heisst Shinbyu, und ist eine sehr feierliche Angelegenheit, bei der das ganze Dorf zusammenkommt. Die zukünftigen Novizen tragen prachtvolle Gewänder, und werden stundenlang gefeiert, bevor ihnen von einem Mönch die Haare abrasiert werden, und sie die Mönchsrobe und Almosenschale erhalten. Das Alter der Jungen bei Klostereintritt ist unterschiedlich – bei unserer Zeremonie waren Jungen, die gerade laufen konnten, und solche, die schon eher im Teenager-Alter angesiedelt waren. Nach Abschluss der Zeit kehren die Jungen wieder in den Alltag zurück.

Für Mädchen sieht die Sache anders aus – wenn sie Novizinnen werden, dann heisst das oft „Kloster fürs Leben“ – es gibt keine analoge kurzfristige Zeit im Kloster (und die damit einhergehende Ehre). Nonnen stehen in Burma generell eine Stufe unter den Herren der Schöpfung. Um ein Buddha zu werden (ein Weiser oder Erhabener), muss man erst als Mann wiedergeboren werden. Ich erspare euch an dieser Stelle meine Gedanken dazu, sie sollten klar sein. Nun gut – die katholische Kirche ist nicht viel besser.

Kleiner Exkurs: An dieser Stelle die Frage: Was ist mit der Gleichberechtigung an sich? Offiziell ist die burmesische Gesellschaft auf Gleichberechtigung ausgerichtet, allerdings mit klarer Geschlechtertrennung hinsichtlich der Rolle im täglichen Leben. Inoffiziell? Ich zitiere aus dem Reiseguide eines modernen burmesischen Schriftstellers: „Wenn die Frauen eine Rolle, die eine Stufe unter der eines Mannes steht, akzeptieren, dann tun sie dies bereitwillig und aus freiem Willen“. Okaaay.

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Es gibt aber eine feierliche „Ohrenstechzeremonie“ für Mädchen, welche – wie der Name vermuten lässt – Ohrlöcher und dazugehörige Ohrringe erhalten.

Noch ein paar Bilder (die Qualität ist niedrig, aber anders kriege ich die Dinger nicht durch die Leitung)

Ein Novize entsteht:

Und eine Nonne – das kleine Mädchen hat die Prozedur mit grosser Würde überstanden. Es hat mich etwas erschreckt, wie klein das Mädchen noch ist, aber ich kenne die Familienumstände nicht, daher weiss ich nicht, warum sie so jung schon zur Nonne wird:


Und hier ein kleiner Junge, der wenig Freude an dem Ganzen hatte – es war herzerweichend:

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